NOMADELFIA EIN NEUES VOLK "Nomadelfia" bedeutet: Gesetz der Brüderlichkeit
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DIE GESCHICHTE

Don ZenoVater und Gründer von Nomadelfia ist don Zeno Saltini.

30. AUGUST 1900. Zeno Saltini wird in einer patriarchalischen Familie in Fossoli di Carpi (Modena) geboren.

1914 - DIE VERWEIGERUNG DER SCHULE. Mit vierzehneinhalb Jahren weigert Zeno sich, weiter zur Schule zu gehen, denn er behauptet, daß in der Schule Dinge beigebracht werden, die für das Leben nicht wichtig sind, und so beginnt er mit der Arbeit auf den Landgütern der Familie. Er lebt mitten unter den Feldarbeitern, er kennt ihre Nöte und befürwortet ihre rechtmäßigen Forderungen.

1920 - "ICH ÄNDERE DIE KULTUR". Als wehrpflichtiger Soldat in der Kaserne der III. Kompanie der Telegraphisten in Florenz hat er, Katholik, in Gegenwart weiterer Soldaten eine heftige Auseinandersetzung mit einem anarchistischen Freund. Der Anarchist behauptet, daß Christus und die Kirche ein Hindernis für den menschlichen Fortschritt sind.
Zeno behauptet das Gegenteil, wenn er auch zugeben muß, daß die Christen größtenteils widersprüchlich handeln. Aber der Anarchist ist gebildet und er nicht. Die anderen Soldaten pfeifen ihn aus, Zeno zieht sich alleine zurück und beschließt: "Ich werde ihm mit meinem Leben antworten. Ich ändere die Kultur indem ich bei mir selbst beginne. Ich will mein ganzes Leben lang weder Diener noch Herr sein".
Er beschließt, Jura und Theologie zu studieren, widmet sich aber auch weiterhin dem Apostolat und der Rehabilitierung entgleister Jugendlicher. Don Zeno promoviert in Jura an der Katholischen Universität von Mailand. Seine Absicht war es, als Rechtsanwalt diejenigen zu verteidigen, die sich keinen Verteidiger leisten konnten. Nun aber wurde ihm deutlich, daß es seine Mission war zu verhindern, daß diese Unglücklichen in Ungnaden fielen: er beschließt, Priester zu werden.

Danilo: der erste Sohn6.1.1931 - PRIESTER - DER ERSTE SOHN. Don Zeno zelebriert seine Erstmesse im Dom von Carpi und am Altar nimmt er einen 17 Jahre alten, gerade aus dem Gefängnis entlassenen Jungen zum Sohn: Danilo.



Irene: die erste Mutter1941 - DIE ERSTE MUTTER. In S. Giacomo Roncole, bei Mirandola (Modena), nimmt don Zeno weitere verwahrloste oder elternlose Kinder auf und gründet das Wohlfahrtseinrichtung der Kleinen Apostel. Er schwört am Altar, nie eine Erziehungsanstalt einzurichten.
Der Zweite Weltkrieg bricht aus.
Irene, eine junge Studentin, läuft 1941 von zu Hause weg, geht zu don Zeno und erklärt sich dazu bereit, die Mutterrolle für die Kleinen Apostel zu übernehmen.
Don Zeno vertraut ihr mit dem Einverständnis des Bischofs die Kleinsten an, und mit ihr entsteht eine neue, jungfräuliche Mutterschaft. Weitere junge Frauen folgen ihrem Beispiel: sie sind die "Mütter aus Berufung".
Einige Priester schließen sich don Zeno an, und ein in Gemeinschaft lebender Klerus entsteht.



1943-1945. DER WIDERSTANDSKAMPF. Infolge des Waffenstillstandes am 8. September wird Italien von den Deutschen besetzt. Derweil don Zeno des öfteren seine Meinung gegen den Faschismus, den Krieg und die Rassengesetze geäußert hatte, reist er ab nach Süditalien. Einige der Kinder folgen ihm, um den Deportationen nach Deutschland zu entgehen.
In S. Giacomo wird der Wohlfahrtseinrichtung ungeheuer zugesetzt, und man versucht, es zu zerstreuen.
Mehrere junge Kleinen Apostel treten den Partisanenverbänden bei, und einige Priester der Kleinen Apostel tragen zur Organisation der Widerstandsbewegung bei und ermöglichen hunderten von Juden und politisch Verfolgten mit Hilfe gefälschter Papiere die Flucht in die Schweiz.


1947. Die Kleinen Apostel besetzen das Konzentrationslager von Fossoli.

Das Konzentrationslager von Fossoli1948 - NOMADELFIA ENTSTEHT. 1947, nach Ende des Krieges, besetzen die Kleinen Apostel das ehemalige Konzentrationslager von Fossoli, in der Nähe von Carpi, um dort ihre neue Stadt zu gründen. Sie reißen Mauern und Drahtzäune nieder. Unterdessen entstehen, neben den Familien der Mütter aus Berufung, die ersten Familien von Brautleuten, die don Zeno darum bitten ebenfalls elternlose oder verwahrloste Kinder aufnehmen zu dürfen, und sie sind fest entschlossen, diese Kinder genauso zu lieben wie die, die aus ihrer Ehe hervorgehen werden.
Am 14. Februar 1948 wird der Text einer Verfassung durchgesetzt, die später auf dem Altar unterschrieben wird. Die Wohlfahrtseinrichtung der Kleinen Apostel wird so zu Nomadelfia, was aus dem Griechischen übersetzt soviel heißt wie: "wo die Brüderlichkeit Gesetz ist".



1950. Don Zeno schlägt dem Volk die "Bewegung der menschlichen Brüderlichkeit" vor.

Bewegung der menschlichen Bruederlichkeit1950 - DIE BEWEGUNG DER MENSCHLICHEN BRÜDERLICHKEIT. Im Jahr 1950 schlägt Nomadelfia dem Volk eine politische Bewegung vor, die sogenannte "Bewegung der menschlichen Brüderlichkeit", um die Abschaffung jeglicher Form der Ausbeutung und eine direkte Demokratie anzuregen. Aber die Feindseligkeit der regierenden politischen Mächte und einiger kirchlicher Kreise blockiert die Initiative.
Die Anzahl der Nomadelfen beläuft sich auf 1150, unter ihnen 800 aufgenommene Kinder - von denen sehr viele besondere Zuwendungen benötigen - und 150 obdach- und arbeitslose Gäste. Die finanzielle Lage wird immer schwieriger. Unter diesem Vorwand wird versucht, Nomadelfia aufzulösen.



Die Nomadelfen kommen in der Maremme an. Sie leben zwei Jahre lang in Zelten.

Man lebt unter Zelten1952. DIE AUFLÖSUNG. Am 5. Februar 1952 befiehlt die Inquisition don Zeno, von Nomadelfia wegzugehen. Don Zeno gehorcht. Die Nomadelfen sind gezwungen, Fossoli zu verlassen und suchen auf einem mehrere Hektar großen, urbar zu machenden Landgut bei Grosseto Zuflucht - einem Geschenk von Maria Giovanna Albertoni Pirelli -, wo sie größtenteils in Zelten wohnen.
Obwohl er fern seiner Kinder lebt, versucht don Zeno doch sich um sie zu kümmern, und immer öfter ist er gezwungen einige von ihnen vor Gericht zu verteidigen, die - den Familien von Nomadelfia entrissen - zurück in die Unterwelt gesunken sind.

1953 - DIE ENTPRIESTERUNG "PRO GRATIA". Er bittet deshalb den Papst, bis auf weiteres auf die Ausübung des Priesteramtes verzichten zu dürfen, um die Leitung seiner Kinder wieder zu übernehmen. Pius XII. gewährt ihm 1953 "pro gratia", also "gnadenhalber" die Rückversetzung in den Laienstand. Er legt den Talar ab und kehrt zu seinen Kindern zurück. Nach der Zerstreuung beläuft sich die Anzahl der Nomadelfen auf etwa 400.

1962 - DIE "ZWEITE" ERSTMESSE. Don Zeno gründet 1954 die "Familiengruppen". 1961 geben sich die Nomadelfen eine neue Verfassung als zivile Vereinigung, und don Zeno bittet den Hl. Stuhl, das Priesteramt wieder ausüben zu dürfen. Nomadelfia wird zur Pfarrei erhoben, und don Zeno wird zum Pfarrer ernannt. Am 22. Januar 1962 zelebriert er seine "zweite Erstmesse".
1965 schlägt don Zeno den Nomadelfen eine neue Art des Apostolats vor: die "Serate", die Aufführungen von Nomadelfia, während denen Tänze vorgeführt werden.
1968 beginnt man mit der Veröffentlichung des monatlich erscheinenden Blattes "Nomadelfia è una proposta", "Nomadelfia ist ein Vorschlag".
Im selben Jahr erhalten die Nomadelfen vom Unterrichtsministerium die Ermächtigung, die Kinder unter ihrer Verantwortung innerhalb der eigenen Schule zu unterrichten.


Die Nomadelfen führen eine "Serata" für den Papst auf.

12. AUGUST 1980. Die Nomadelfen führen im Palast von Castelgandolfo für Johannes Paul II. eine "Serata" auf. Die gesamte Bevölkerung von Nomadelfia ist anwesend. Der Papst sagt unter anderem: "Wenn wir dazu berufen sind Kinder Gottes und untereinander Brüder zu sein, dann ist die Regel, die sich Nomadelfia nennt, ein Vorzeichen und eine Vorankündigung dieser künftigen Welt, zu der wir alle gerufen sind".

15.1.1981 - DER TOD VON DON ZENO. Wenige Monate später wird don Zeno von einem Herzinfarkt getroffen und richtet die letzten Worte vor der Agonie an die Nomadelfen: man kann sie als sein Testament betrachten.
Er stirbt am 15. Januar 1981 in Nomadelfia; unterdessen empfängt der Papst eine Delegation von Nomadelfen. Er betet zusammen mit ihnen für don Zeno und übersendet seinen Segen.