Frei vom Götzendienst des Ichs und meines

In der Luft von Nomadelfia ist heute etwas besonders Lebendiges. Wenn man zwischen den Häusern vorbeikommt, spürt man die ungewöhnliche Aufregung bei besonderen Anlässen: das Schreien von Kindern, der Ruf von Erwachsenen, die Hektik aller vom frühen Morgen an Gegenstände und Kisten von Traktoren und Lieferwagen zu laden und zu entladen. Heute "wechseln wir die Gruppe": Wie in der Verfassung vorgesehen, ziehen alle drei Jahre alle Familien von Nomadelfia um und leben in einer anderen Familiengruppe.

Sie tragen nur ihre persönlichen Gegenstände und, wenn nötig, wenig mehr und hinterlassen Möbel, möblierte Räume, Gemüsegärten und Häuser - alles in einer außergewöhnlichen und vitalen Rotation für diejenigen, die die Räume bald besetzen werden.

Sicher, erklärte P. Ferdinando, "manchmal ist die Sorge, die dominiert, was ich verlasse, was ich bringe, was ich finde und wie ich mich selbst organisiere". Aber wenn dies zutrifft, wäre die Veränderung eine reine äußere Formalität, ein schlichter Schachzug. Stattdessen ist Veränderung eine Gelegenheit, zu den tiefgreifenden Beweggründen der eigenen Berufung zurückzukehren, sowohl auf persönlicher als auch auf familiärer Ebene. Um auf diese Berufung zu reagieren, haben wir uns entschlossen, arm zu sein, frei von Anhaftungen an Dinge zu sein, uns neuen Bindungen zu öffnen und bereit zu sein, konkret zu lieben, wem auch immer der Herr uns nahe legt.

All dies atmet die Freude ein, die auf die Gesichter der kleinen und großen Menschen scheint. Es ist, als würde man eine Art großes Jubiläum in kleinem Maßstab erleben, wenn die Schulden des jüdischen Volkes beglichen, die Sklaven befreit und das Land neu verteilt werden. Es ist ein Neuanfang, das Zeichen, dass wir immer bereit sein wollen, uns selbst in Frage zu stellen.

Eine fast unbedeutende Tatsache, eine Handvoll Familien in einer fast unbekannten Ecke der Maremma. Und doch, sagte Papst Franziskus in einer Rede im vergangenen Februar, hängen die Veränderungen in der Ordnung des Geistes und damit des Lebens nicht mit einer großen Zahl zusammen. Es müssen nicht viele sein, um die Welt zu verändern: Es reicht aus, dass sich Salz und Hefe nicht gegenseitig verzerren. Dies sind die kleinen Realitäten, die hier und da auf der ganzen Welt verstreut sind und große Hoffnung für das Christentum und die Menschheit bereiten.